Gemeinsam mit Freunden in der Ewigen Stadt (Teil 1)

Alle Wege führen nach Rom. So kennen wir es aus dem Geschichtsunterricht, aus den Lateinstunden unserer Schulzeit oder, etwas weniger wissenschaftlich, aus den bekannten Asterix-Heften. Anfang Oktober machten sich 25 Mitglieder unserer Bruderschaft auf den Weg in die Ewige Stadt. Mit dabei war auch unser Präses, Pastor Benedikt Zervosen.

Es sollte eine anstrengende, interessante, abwechslungsreiche und vor allem gesellige Reise werden. Dafür hatte unser Organisator Joachim Schultz gesorgt. Das Programm war bestens vorbereitet und die Tage gut durchgetaktet. Dennoch blieb genügend Raum für individuelle Entdeckungen oder auch einfach einmal für eine kleine Verschnaufpause im Hotel. Denn Rom lässt sich bekanntlich nicht an einem Tag erobern.

Ein herzlicher Empfang und ein Kaiser mit Problemen

Am Flughafen Rom-Fiumicino empfingen uns strahlender Sonnenschein und unsere deutschsprachige Stadtführerin Kerstin Thiel-Lunghini. Aufgewachsen in Breitscheid, hatte sie Geschichte und Kunst studiert und in Rom schließlich ihren späteren Mann kennengelernt. Beste Voraussetzungen also, um uns die Stadt nicht nur mit historischem Sachverstand, sondern auch mit italienischer Lebensart näherzubringen.

Mit dem Bus ging es zunächst Richtung Innenstadt. Die Fahrt führte durch das, was man wohl mit einem gewissen Augenzwinkern als typische italienische Vorstadtromantik bezeichnen könnte: Industrieanlagen, mehrspurige Straßen, Gewerbegebiete und dazwischen das ganz normale römische Alltagsleben.

Bevor wir unser erstes großes Ziel erreichten, gab es ein typisch italienisches zweites Frühstück. Ein Cappuccino und etwas Süßes gehören in Italien schließlich zum guten Ton.

Dann stand die Basilika San Paul vor den Mauern, auf Italienisch San Paolo fuori le Mura, auf dem Programm. „Fuori le Mura“ bedeutet schlicht „außerhalb der Mauern“. Doch warum steht hier eine der bedeutendsten Kirchen Roms?

Im vierten Jahrhundert nach Christus hatte Kaiser Konstantin eine ganze Reihe von Problemen. Eines davon war sein Machtkampf mit dem Rivalen Maxentius. Vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 soll Konstantin der Überlieferung nach ein göttliches Zeichen empfangen haben. Er ließ daraufhin christliche Symbole auf den Schilden seiner Soldaten anbringen. Die Schlacht gewann er, und das Christentum erhielt in der Folge eine völlig neue Stellung im Römischen Reich.

„Veni, vidi, vici“ – ich kam, sah und siegte. Das sagte zwar Julius Cäsar bei anderer Gelegenheit, aber zum Selbstverständnis römischer Herrscher passt es durchaus. Konstantin ordnete schließlich an, über dem vermuteten Grab des Apostels Paulus eine Kirche zu errichten.

Die antiken Baumeister standen dabei vor einer interessanten Problem: Wie sollte eine christliche Kirche eigentlich aussehen und wie konnte man das Projekt in der vorgegebenen Zeit vollenden? Schließlich gab es dafür noch keine Vorlage. Die Römer waren allerdings hervorragende Baumeister und kannten sich mit großen Versammlungshallen bestens aus. Also orientierte man sich an der römischen Basilika, einem Gebäudetyp, der bis dahin vor allem für öffentliche und geschäftliche Zwecke genutzt worden war.

Was für eine Markthalle gut war, konnte für eine Kirche schließlich nicht ganz falsch sein.

Aus der ursprünglichen Kirche entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine monumentale Basilika. Über die Jahrhunderte wurde die Halle immer mehr verschönert. Heute beeindrucken besonders die gewaltigen Säulenreihen, die Bildnisse der Päpste und die Heilige Pforte wurde auch noch eingebaut.

Eine Mauer als Zeichen der Angst

Nach fuori le Mura, also außerhalb der Mauern, erreichten wir schließlich die Mauer selbst.

Die Aurelianische Mauer gehört zu den beeindruckendsten Hinterlassenschaften des antiken Roms. Ursprünglich umschloss dieser gewaltige Befestigungsring die Stadt auf einer Länge von rund 19 Kilometern. In regelmäßigen Abständen standen Wachtürme, und die großen Stadttore waren selbst kleine Festungsanlagen. Errichtet wurde die Mauer ab dem Jahr 271 nach Christus unter Kaiser Aurelian. Innerhalb von 25 Jahren entstand ein Bauwerk, das bis heute in weiten Teilen das Stadtbild prägt.

Ein monumentales Zeichen, das im Grunde nur eine Botschaft vermittelte: Wir haben Angst!

Über acht Jahrhunderte konnte die Stadt auf Mauern verzichten, denn die Römer schlugen ihre Feinde immer weit vor ihrer Haustüre. Aber jahrhundertelange Ausbeutung der Provinzen fanden die dortigen Anwohner irgendwann mal nicht mehr so dolle und machten sich auf den Weg. Denn alle Wege führen ja bekanntlich nach Rom.

Ein italienischer Abend in Frascati

Ein anderer Weg führte uns am Abend aus Rom hinaus in die Weinberge der Albaner Berge, nach Frascati. Diesmal allerdings nicht zu Fuß, sondern ganz bequem mit der Regionalbahn vom Bahnhof Termini, dem Hauptbahnhof Roms.

Frascati ist nicht nur für seinen Wein bekannt, sondern auch für seine reizvolle Lage oberhalb der Hauptstadt. Bei spätsommerlichen Temperaturen genossen wir einen geselligen Abend mit italienischem Essen, gutem Wein und musikalischer Unterhaltung.

Eine Opernsängerin sorgte mit bekannten Arien für die passende Atmosphäre. Italienischer konnte dieser Abend kaum sein. Nach den ersten Stunden voller Geschichte, Kirchen und Kaisergeschichten war dies eine willkommene Gelegenheit, gemeinsam zu essen, zu lachen und die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen.

Zwischen Spanischer Treppe und Menschenmassen

Am nächsten Tag stand das touristische Pflichtprogramm auf dem Plan. Und wer Rom besucht, kommt an einigen Sehenswürdigkeiten einfach nicht vorbei: Spanische Treppe, Trevi-Brunnen, Piazza Navona und natürlich die zahlreichen Kirchen und Paläste, die an nahezu jeder Straßenecke auf ihre Entdeckung warten.

An der Piazza Navona besuchten wir auch die deutsche Nationalkirche Santa Maria dell’Anima, die seit Jahrhunderten ein geistlicher Anlaufpunkt für deutschsprachige Katholiken in Rom ist.

Ein kurzes Wort zur Spanischen Treppe oder Trevi-Brunnen darf hier noch gesagt werden. Wenn man ein Bild sieht mit dem fiktiven Titel „Ich auf der Spanischen Treppe“ und keine weitere Person ist auf dem Bild zu sehen – dann hat die KI alle anderen weggebeamt. Denn eines ist sicher: Rom gehört nicht nur den Römern. Rom gehört gefühlt der halben Welt. Und die andere Hälfte steht gerade am Trevi-Brunnen und versucht, eine Münze ins Wasser zu werfen.

Das Pantheon – wenn römischer Beton die Jahrtausende überdauert

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch des Pantheons. Das heutige Bauwerk wurde unter Kaiser Hadrian um das Jahr 126 nach Christus vollendet. Hadrian war übrigens jener Kaiser, der auch in Britannien eine gewaltige Grenzbefestigung errichten ließ: den Hadrianswall im Norden des heutigen Englands, nahe der Grenze zu Schottland.

Offenbar hatten römische Kaiser eine gewisse Vorliebe für Mauern.

Doch zurück zum Pantheon.

Fast 2.000 Jahre nach seiner Errichtung besitzt es noch immer die größte unbewehrte Betonkuppel der Welt. Ihr Durchmesser beträgt rund 43 Meter. Beton? Im alten Rom?

Ja, tatsächlich. Die Römer beherrschten bereits eine erstaunlich leistungsfähige Bautechnik. Ihr sogenannter Opus caementicium, der römische Beton, ermöglichte Konstruktionen, die selbst heutige Ingenieure noch beeindrucken.

Das Pantheon ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike. Ein wesentlicher Grund dafür ist seine kontinuierliche Nutzung. Ursprünglich als Heiligtum der römischen Götter errichtet, wurde es im Jahr 609 zu einer christlichen Kirche geweiht. Besonders faszinierend ist die gewaltige Kuppel mit ihrer kreisrunden Öffnung in der Mitte, dem sogenannten Oculus. Er hat einen Durchmesser von etwa neun Metern und ist die einzige natürliche Lichtquelle des monumentalen Innenraums. Wenn die Sonne durch diese Öffnung scheint, entsteht ein Lichtspiel, das den gesamten Raum auf eindrucksvolle Weise verändert.

Und es gibt noch eine besondere Tradition: Am Pfingstsonntag lassen Feuerwehrleute von der Kuppel aus Tausende rote Rosenblätter durch den Oculus in die Kirche hinabregnen. Ein Symbol für die Feuerzungen des Heiligen Geistes. Ein faszinierender Gedanke: Während draußen das moderne Rom mit seinem Verkehrslärm, seinen Motorrollern und seinen unzähligen Touristen pulsiert, steht man im Inneren eines Gebäudes, das schon fast zwei Jahrtausende überdauert hat.

Hier wird Geschichte nicht nur erzählt. Hier kann man sie sehen, spüren und beinahe anfassen. Und genau das macht Rom so besonders.

Fortsetzung folgt …