Samstag – Endlich einmal ohne Wecker und Taxidramen
Der Samstag begann ausgesprochen angenehm. Kein Wecker, der uns mitten in der Nacht aus den schönsten Träumen riss. Keine hektische Suche nach dem Wallfahrer-Polo und vor allem keine Taxen, die zwar bestellt waren, aber offenbar andere Pläne hatten. Stattdessen konnten wir ganz entspannt gemeinsam frühstücken.



Da unsere nächste Stadtführung mit Kerstin erst für 14 Uhr angesetzt war, stand der Vormittag zur freien Verfügung. Einige machten sich auf eigene Faust auf den Weg, um noch ein paar Ecken Roms zu erkunden. Andere bevorzugten einen gemütlichen Bummel durch die Gassen oder einen Cappuccino in einer der unzähligen kleinen Cafébars.
Schließlich muss man in Rom nicht ständig Kirchen besichtigen oder antike Steine bestaunen. Manchmal reicht es völlig aus, bei einem guten Kaffee das italienische Leben zu beobachten. Und davon gibt es reichlich.
Largo di Torre Argentina – Ein See ohne Wasser
Am Nachmittag trafen wir uns alle wieder am Largo di Torre Argentina.
Wer bei diesem Namen allerdings an einen idyllischen See dachte, an dessen Ufer man gemütlich sitzen und die müden Füße ins Wasser halten könnte, hatte sich gründlich verschätzt. Denn mit einem See hat dieser Platz ungefähr so viel zu tun wie der Lintorfer Marktplatz mit einem Mittelmeerhafen.
Der Largo di Torre Argentina liegt mitten in der römischen Innenstadt, im Stadtviertel Pigna, und beherbergt eine der interessantesten archäologischen Ausgrabungsstätten der Stadt. Im Zuge städtebaulicher Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier ältere Gebäude abgerissen. Dabei stieß man auf bedeutende Überreste des antiken Roms. Wir erinnern uns: Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich das Straßenniveau Roms um mehrere Meter angehoben. Was früher einmal im Erdgeschoss lag, befand sich inzwischen tief unter der heutigen Straßenoberfläche.
Bei den Ausgrabungen kamen unter anderem vier republikanische Tempel zum Vorschein, deren Ursprünge teilweise bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurückreichen. Nun hatten die Archäologen allerdings ein Problem. Man wusste zwar, dass es sich um Tempel handelte, konnte aber nicht bei allen zweifelsfrei feststellen, welcher Gottheit sie ursprünglich geweiht waren. Also griff man zu einer ausgesprochen pragmatischen Lösung: Man nummerierte sie einfach mit den Buchstaben A bis D durch.

So viel zur göttlichen Individualität. Wenn man schon nicht weiß, welcher Gott hier verehrt wurde, bekommt er eben einen Buchstaben. Das ist schließlich auch eine Form von Ordnung. Übrigens befindet sich in diesem Bereich auch die sogenannte Curia des Pompeius. Dort wurde im Jahr 44 vor Christus Julius Caesar ermordet. Man sieht: In Rom liegt die Weltgeschichte wirklich an jeder Straßenecke.
Das jüdische Ghetto – Ein Ort, der nachdenklich macht
Nur wenige Schritte weiter in Richtung Tiber erreichten wir das ehemalige jüdische Ghetto Roms. Hier wurde unsere sonst so heitere Stadtführung für einen Moment sehr ernst.
Kerstin erzählte uns von einem kleinen jüdischen Jungen und einer Straßenbahn. Am frühen Morgen des 16. Oktober 1943, einem Samstag und damit dem jüdischen Sabbat, begann eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte der römischen Juden. Deutsche SS- und Polizeieinheiten durchsuchten das jüdische Viertel und andere Teile der Stadt. Mehr als tausend jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden festgenommen und wenige Tage später nach Auschwitz deportiert. Nur sehr wenige überlebten. Kerstin erzählte uns die bewegende Geschichte eines etwa zehnjährigen Jungen, dem es gelungen sein soll, der Verhaftung zu entkommen. Er flüchtete in eine Straßenbahn und berichtete dem Fahrer, was gerade in seinem Viertel geschah. Der Fahrer versteckte das Kind und nahm es auf seiner Fahrt durch die Stadt mit. Auch andere Straßenbahnfahrer sollen dem Jungen in den folgenden Tagen geholfen und ihn vor den Verfolgern verborgen haben. Als der Junge schließlich in die Wohnung seiner Familie zurückkehrte, war niemand mehr da. Seine Angehörigen waren deportiert worden. Er allein hatte überlebt.
Ob alle Einzelheiten dieser überlieferten Geschichte historisch genauso stattgefunden haben, lässt sich nicht ohne Weiteres überprüfen. Doch sie steht für den Mut einzelner Menschen, die in einer Zeit des Terrors nicht wegsahen, sondern halfen. Für einen Augenblick war es still in unserer Gruppe. Hier ging es nicht mehr um Kaiser, Päpste oder prachtvolle Bauwerke, sondern um das Schicksal ganz gewöhnlicher Menschen. Und um die Frage, wie wichtig Menschlichkeit gerade dann ist, wenn sie gefährlich wird.
Die Tiberinsel – Eine Schlange mit göttlichem Auftrag
Anschließend überquerten wir den Tiber und machten einen kurzen Halt auf der Tiberinsel. Diese kleine Insel mitten im Fluss spielte bereits in der Frühgeschichte Roms eine bedeutende Rolle. Sie erleichterte die Überquerung des Tibers und lag damit an einem strategisch wichtigen Punkt für Handel und Verkehr.
Aber natürlich wäre Rom nicht Rom, wenn es zu diesem Ort nicht auch eine ordentliche Göttergeschichte gäbe. Im dritten Jahrhundert vor Christus wurde die Stadt von einer schweren Seuche heimgesucht. Die Römer waren ratlos. Also tat man das, was man damals in solchen Fällen gerne machte: Man befragte die Sibyllinischen Bücher, eine Sammlung religiöser Weissagungen. Und siehe da, die Antwort war eindeutig. Man sollte sich an den griechischen Heilgott Asklepios wenden, den die Römer Äskulap nannten. Also schickte man eine Gesandtschaft nach Griechenland, um göttlichen Beistand zu erbitten. Der Gott der Heilkunst wird bekanntlich durch einen Stab dargestellt, um den sich eine Schlange windet. Dieses Symbol begegnet uns bis heute im medizinischen Bereich. Der Legende nach gelangte eine heilige Schlange mit den Gesandten nach Rom. Dort verließ sie das Schiff und verschwand auf der Tiberinsel. Für die Römer war die Sache damit klar. Wenn sich die göttliche Schlange ausgerechnet diese Insel ausgesucht hatte, dann musste hier selbstverständlich ein Heiligtum entstehen. Gesagt, getan. Auf der Insel wurde ein Tempel für Äskulap errichtet. Seitdem ist sie eng mit der Geschichte der Heilkunde verbunden.



Später entstanden hier Einrichtungen zur Versorgung Kranker. Bis heute befindet sich auf der Insel ein Krankenhaus. Man könnte also sagen: Die Römer hatten bereits vor über zweitausend Jahren einen medizinischen Standortplan. Und der wurde nicht von einer Gesundheitskommission ausgearbeitet, sondern von einer Schlange beschlossen.
Trastevere – Vom Armenviertel zum Szenequartier
Auf der anderen Seite des Tibers erreichten wir Trastevere. Der Name bedeutet schlicht „jenseits des Tibers“. Aus Sicht der alten Römer lag dieses Viertel also gewissermaßen auf der anderen Seite. Früher war Trastevere ein eher einfaches Stadtviertel. Hier lebten Arbeiter, Handwerker, Händler und zahlreiche Menschen, die aus anderen Teilen des Mittelmeerraums nach Rom gekommen waren. Auch jüdische Gemeinden waren hier schon früh ansässig. Über die Jahrhunderte gab es mehrere Synagogen und jüdische Einrichtungen. Trastevere war also schon damals ein ausgesprochen buntes Viertel.
Ein Dorf in der Stadt, mit engen Gassen, kleinen Plätzen und einer ganz eigenen Atmosphäre. Daran hat sich bis heute einiges erhalten. Nur die Bewohnerstruktur hat sich inzwischen deutlich verändert. Wo früher vor allem einfache Leute lebten, findet man heute ein angesagtes Stadtviertel mit schicken Wohnungen, Restaurants, Bars, Boutiquen und jeder Menge Touristen. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel ist eine begehrte Adresse geworden. Man könnte auch sagen: Früher war hier das Leben günstig, heute ist es vor allem gemütlich – solange man nicht auf die Rechnung schaut.





Zwischen all den kleinen Gassen steht außerdem eine der bedeutendsten frühchristlichen Kirchen Roms: Santa Maria in Trastevere. Auch hier begegnet uns also wieder die typische römische Mischung aus zweitausend Jahren Geschichte, kirchlicher Pracht und italienischer Lebensfreude. Und wer inzwischen glaubte, wir hätten auf unserer Wallfahrt genügend Kirchen gesehen, musste sich eingestehen: In Rom kommt man an ihnen einfach nicht vorbei.
Ein letzter gemeinsamer Abend – und eine Überraschung
Am Abend trafen wir uns im bekannten Ristorante La Canonica in Trastevere. Es sollte unser letztes gemeinsames Abendessen in Rom werden. Nach den vielen Erlebnissen der vergangenen Tage gab es natürlich reichlich Gesprächsstoff. Es wurde erzählt, gelacht und über so manche Begebenheit noch einmal herzlich geschmunzelt. Doch eine kleine Überraschung stand noch bevor. Andreas hatte bereits im Vorfeld beim Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften für alle Teilnehmer unserer Wallfahrt ein Romfahrerkreuz beantragt. Eine schöne Erinnerung an diese besondere Reise. Die Kreuze selbst waren zwar noch nicht eingetroffen, aber immerhin konnte Andreas bereits ein Bild davon in unserer Gruppe zeigen. Das ist gewissermaßen die moderne Form der Ordensverleihung: erst einmal digital, die Hardware wird später nachgeliefert. Die Freude darüber war trotzdem groß. Schließlich ist ein solches Kreuz nicht nur ein Erinnerungsstück, sondern auch ein sichtbares Zeichen unserer gemeinsamen Wallfahrt. Und gemeinsam hatten wir in diesen Tagen wirklich einiges erlebt. Der Abend wurde entsprechend fröhlich, gesellig und durchaus feucht. Nicht wegen eines plötzlichen römischen Regenschauers, sondern wegen der ausgezeichneten Getränkeversorgung. Irgendwann machte sich dann einer nach dem anderen auf den Rückweg zum Hotel. Eine gemeinsame Rückfahrt war nicht mehr organisiert. Schließlich waren wir inzwischen erfahrene Romkenner und sollten durchaus in der Lage sein, unser Hotel eigenständig wiederzufinden. Ob das jedem auf dem kürzesten Weg gelungen ist, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter untersuchen.

Hauptsache, am nächsten Morgen waren wieder alle da.
Sonntag – Abschied von Rom, aber noch lange nicht von der Antike
Der nächste Morgen begann erfreulich entspannt. Ausschlafen, gemütlich frühstücken und anschließend die Koffer packen. Nach den vielen zurückgelegten Kilometern, unzähligen Treppenstufen und einem umfangreichen Kulturprogramm hatten wir uns diesen ruhigen Start redlich verdient. Um 11.30 Uhr waren schließlich alle Koffer und, was noch wichtiger war, auch alle Wallfahrer im Bus verstaut. Es konnte losgehen.
Allerdings führte uns der Weg noch nicht direkt zum Flughafen. Achim hatte für den letzten Tag noch ein besonderes Programm vorgesehen. Unser Ziel war Ostia Antica, die antike Hafenstadt Roms.
Ostia Antica – Eine ganze Stadt zum Ausbuddeln
Der Name Ostia leitet sich vom lateinischen Wort ostium ab, was so viel wie Mündung oder Eingang bedeutet. Die Stadt lag einst nahe der Tibermündung ins Mittelmeer und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Handels- und Hafenplätze des Römischen Reiches. Hier kamen Waren aus nahezu allen Teilen der damals bekannten Welt an. Getreide aus Ägypten und Nordafrika, Wein, Olivenöl, Marmor und zahlreiche andere Güter wurden über die Hafenanlagen in Richtung Rom transportiert. Man kann sich vorstellen, was hier einst los gewesen sein muss. Schiffe wurden entladen, Händler verhandelten, Arbeiter schleppten Waren durch die Straßen, und irgendwo beschwerte sich vermutlich schon damals jemand über die Lieferzeiten.







Mit der Zeit veränderten sich jedoch die wirtschaftlichen und geografischen Verhältnisse. Der Tiber transportierte immer neue Sedimente heran, die Küstenlinie verschob sich, und die Hafenanlagen verloren zunehmend ihre ursprüngliche Bedeutung. Hinzu kamen der wirtschaftliche Niedergang und die Entvölkerung in der Spätantike. Ein schweres Hochwasser im 16. Jahrhundert veränderte schließlich den Flusslauf zusätzlich. So lag die einst bedeutende Hafenstadt irgendwann weitgehend verlassen und teilweise unter Erde und Pflanzen verborgen.
Richard Löwenherz und die römischen Mücken
An dieser Stelle sei ein kleiner gedanklicher Ausflug ins Mittelalter erlaubt. Stellen wir uns einmal Richard Löwenherz vor, den berühmten englischen König, der sich Ende des zwölften Jahrhunderts auf den Weg zum Dritten Kreuzzug machte. Wahrscheinlich hatten ihm seine Lehrer und Berater von der gewaltigen Größe und Pracht des antiken Roms vorgeschwärmt. Tempel, Theater, Paläste und großartige Hafenanlagen – eine Weltmacht, wie sie die Geschichte nur selten gesehen hatte. Nun stellen wir uns weiter vor, Richard hätte einen Abstecher nach Ostia gemacht. Historisch belegt ist ein solcher Besuch während seines Kreuzzugs zwar nicht. Aber für unsere kleine Geschichte darf man der Fantasie ruhig etwas freien Lauf lassen. Da steht er also, Richard Löwenherz, in voller Rüstung zwischen den Ruinen. Wo einst prachtvolle Gebäude standen, wachsen Büsche und Unkraut. Die Straßen sind verschüttet, Mauerreste ragen aus dem Boden, und von der ehemaligen Weltstadt ist nicht mehr viel zu erkennen. Der König sucht sich einen halbwegs brauchbaren Stein, setzt sich darauf und betrachtet das traurige Bild. Und dann kommen die Mücken. Nicht eine oder zwei. Nein, ganze Geschwader dieser kleinen Blutsauger, die in den sumpfigen Gebieten rund um die Tibermündung hervorragende Lebensbedingungen vorfanden. Da halfen weder Kettenhemd noch Rüstung. Spätestens nach dem zehnten Mückenstich dürfte Richard beschlossen haben, dass es im Heiligen Land sicherlich angenehmere Aufenthaltsorte geben müsse. Also setzte er sin Kreuzfahrt fort.
Die antike Shopping Mall
Unsere Kerstin hatte natürlich wesentlich mehr über Ostia Antica zu erzählen als die Geschichte eines möglicherweise von Mücken geplagten englischen Königs. Mit ihrem umfangreichen Wissen ließ sie die antike Hafenstadt vor unseren Augen wieder lebendig werden. Und tatsächlich: Hier kann man auf relativ überschaubarem Raum nahezu alles entdecken, was zu einer funktionierenden römischen Stadt gehörte. Tempel, Theater, öffentliche Plätze, Wohnhäuser, Badeanlagen, Lagerhäuser, Geschäfte und Gaststätten. Sogar eine Art antikes Einkaufszentrum gab es. Besonders interessant waren die ehemaligen Handelsräume rund um den Platz der Korporationen.

Hier hatten verschiedene Berufsgruppen und Handelsunternehmen ihre Vertretungen. Die Bodenmosaiken dienten dabei gewissermaßen als antike Firmenschilder. Ein Schiff zeigte den Bezug zur Seefahrt, ein Elefant konnte auf Handelsverbindungen nach Afrika hinweisen, und andere Darstellungen verwiesen auf bestimmte Waren oder Dienstleistungen. Fischer, Seiler, Schiffszimmerleute und Händler – alle hatten ihren Platz im wirtschaftlichen Leben der Stadt. Man könnte sagen: Die Römer hatten bereits vor zweitausend Jahren eine Shoppingmall. Nur ohne Rolltreppen, Parkhaus und verkaufsoffenen Sonntag. Auch Restaurants und Schnellimbisse gab es bereits. In den sogenannten Thermopolia konnten sich die Bewohner mit Speisen und Getränken versorgen. Fast Food ist also keineswegs eine amerikanische Erfindung. Die Römer waren einfach nur früher dran.
Nach dieser letzten Führung war unser historischer Wissensspeicher allerdings endgültig gut gefüllt. Wir hatten in wenigen Tagen so viele Tempel, Kirchen, Kaiserpaläste, Katakomben und antike Ruinen gesehen, dass selbst ein gestandener Geschichtslehrer vermutlich erst einmal eine Pause gebraucht hätte.
Arrivederci, Kerstin!
Nun hieß es Abschied nehmen von unserer Stadtführerin Kerstin. Sie hatte es während der gesamten Reise hervorragend verstanden, uns die Geschichte Roms auf unterhaltsame und anschauliche Weise näherzubringen. Mit ihrem Wissen, ihrer Begeisterung und ihren vielen kleinen Geschichten hatte sie aus alten Mauern und Steinhaufen wieder lebendige Geschichte gemacht. Dafür bedankten wir uns ganz herzlich. Aber wie es sich für eine gute Bruderschaft gehört, blieb es nicht bei einem einfachen Dankeschön. Da Kerstin im August nach Breitscheid kommen wird, wurde sie selbstverständlich gleich zu unserem nächsten Schützenfest eingeladen. Schließlich wollten wir ihr auch einmal zeigen, dass nicht nur die Römer etwas von Tradition,
Ein letztes kaiserliches Mahl am Meer
Auf dem Weg zum Flughafen hatte Achim noch eine letzte Überraschung organisiert. Unser Busfahrer brachte uns nach Ostia ans Meer, in die Nähe des Yachthafens. Dort hatte Achim in einem wunderbaren Fischrestaurant bereits Tische für uns reserviert. Und was für ein Anblick! Ein langer Tisch mit rot-weiß karierten Tischdecken, gedeckt für 25 Personen. So stellt man sich italienische Gastfreundschaft vor. Es wurde aufgetragen, geschlemmt und genossen. Fisch, mediterrane Köstlichkeiten und dazu die passende Urlaubsstimmung. Wir speisten wie die römischen Kaiser. Mit einem entscheidenden Unterschied: Wir mussten dafür keine Provinzen ausplündern. Und auch wenn unser Achim gelegentlich klare Vorstellungen davon hatte, wer seine Rechnung selbst bezahlen musste, hatte er mit diesem letzten gemeinsamen Essen noch einmal für einen wunderbaren Abschluss gesorgt. Besser konnte man sich von Italien kaum verabschieden.

Arrivederci Roma – und wann sind wir endlich da?
Doch irgendwann geht auch die schönste Reise zu Ende. Nach unserem letzten gemeinsamen Essen hieß es endgültig:
Arrivederci Roma!
Am Flughafen wartete noch eine kleine Verspätung auf uns. Offenbar wollte uns Italien zum Abschied noch einmal daran erinnern, dass die Zeit hier gelegentlich etwas anders funktioniert. Irgendwann saßen wir dann aber doch alle im Flugzeug Richtung Düsseldorf. Rom lag hinter uns, die Heimat vor uns. Noch keine Stunde waren wir in der Luft, als sich plötzlich unser Iggi zu Wort meldete:
„Wann sind wir endlich dahaaa?“
Man muss dazu wissen, dass unser lieber Iggi ein ausgesprochen heimatverbundener Mensch ist. Für ihn ist Lintorf nicht einfach nur ein Wohnort.
Lintorf ist der Mittelpunkt der Welt. Schon eine Fahrt nach Ratingen grenzt für ihn beinahe an eine Auslandsreise. Und jetzt hatte er tatsächlich mehrere Tage in Rom verbracht! Zwischen Papst, Petersdom, Katakomben, Kaiserpalästen, italienischem Wein und unzähligen Kilometern auf römischem Kopfsteinpflaster. Da kann man schon verstehen, dass irgendwann die Sehnsucht nach der Heimat übermächtig wird. Schließlich gibt es in Rom zwar den Petersdom, das Kolosseum und den Vatikan. Aber eben keinen Lintorfer Marktplatz und das Meck.
Eine Wallfahrt, die in Erinnerung bleibt
Damit ging eine außergewöhnliche Romwallfahrt unserer Bruderschaft zu Ende. Wir hatten gemeinsam Gottesdienste gefeiert, Papst Leo XIV. erlebt, die großen Kirchen Roms besichtigt und uns durch zweitausend Jahre Geschichte gearbeitet. Wir waren über antike Pflastersteine gelaufen, in dunkle Katakomben hinabgestiegen, hatten prachtvolle Kunstwerke bewundert und erfahren, wie aus einer kleinen Siedlung am Tiber einst der Mittelpunkt eines Weltreiches wurde. Wir hatten aber auch gemeinsam gelacht, gut gegessen, manches Glas Wein getrunken und viele schöne Stunden miteinander verbracht.
Und ganz nebenbei gelernt, dass römische Taxen nicht unbedingt pünktlich kommen, man auch ohne Geburtstag Grappa bekommen kann und ein guter Organisator manchmal wertvoller ist als ein römischer Kaiser. Ein besonderer Dank gilt deshalb Achim und allen, die zum Gelingen dieser Reise beigetragen haben, unserem Präses für die gemeinsamen Gottesdienste und Kerstin für ihre ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Führungen. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an eine harmonische Gemeinschaft, in der man sich wohlgefühlt und gemeinsam viel erlebt hat. Denn am Ende sind es nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, die eine solche Reise unvergesslich machen. Es sind die Menschen, mit denen man sie erlebt.
Und so bleibt uns nur noch eine Erkenntnis: Rom ist zweifellos eine Reise wert. Die Stadt hat Geschichte, Kultur, großartige Kirchen und eine hervorragende Küche. Aber nach einer Woche voller Erlebnisse gibt es für einen echten Lintorfer eben doch noch etwas Schöneres.