St. Georg Corps

Im Herbst des Jahres 1963 beschloss der Freundeskreis von sechs jungen Männern ein neues Schützencorps zu gründen. Im Bekanntenkreis der Eltern suchten sie nach weiteren Interessenten. Nachdem dies von Erfolg gekrönt war, wurde ein Termin für die Gründungsversammlung festgelegt. Die Gründungsversammlung fand in der Gaststätte „Bürgershof“ statt. Notwendige Absprachen und Regelungen wurden an diesem Abend gefunden und festgelegt. Nun hieß es, einen Namen für die neue Corpsgemeinschaft zu finden. Letztendlich wurde der Vorschlag von Schneidermeister Josef Rosendahl angenommen, das neue Korps „St. Georg Corps“ zu bennen. Es folgte die Wahl des Vorstandes der ersten Stunde. Als 1. Vorsitzender wurde Wilfried Rosendahl, als Kassierer Ewald Butenberg, als Schriftführer und als Hauptmann Franz Jüntgen und als neuer Protektor Josef Rosendahl, alle einstimmig gewählt.
Das erste offizielle Auftreten des neugegründeten Corps fand zum Titularfest am 26. Januar 1964 im Jahr des 500-jährigen Lintorfer Bruderschaftsjubiläums statt. Bereits im Mai 1964 wurde das erste, mit großer Spannung erwartete Königsschießen ausgerichtet. Geschossen wurde in den Gartenanlagen der Gaststätte „Mecklenbeck“. Erster König des neuen Corps wurde Ewald Butenberg. Die Feier fand anschließend in der Gaststätte „Jakob Mecklenbeck“ statt. Im gleichen Jahr erlebte das St. Georg Corps beim Lintorfer Schützen- und Volksfest 1964, dem Jahr des 500-jährigen Bestehens der Lintorfer Bruderschaft den ersten Festzug. Es war für das St. Georg Corps ein imponierendes Erlebnis.
Seit dem Jahr 1966 leitete Herbert Hirsch das St. Georg Corps als 1. Vorsitzender. Er hat es mit großem Geschick verstanden, die Mitglieder dieser jungen Corpsgemeinschaft zu einer Einheit zu führen und aus ihnen eine verschworene Truppe zu formen. Der Schützenfestmontag 1966 bescherte dem St. Georg Corps mit Werner Michael erstmals eine Bruderschaftsmajestät. Mit einem wohlgezielten Schuß errang er die Kronprinzenwürde der Lintorfer Bruderschaft. Der Jubel kannte keine Grenzen, und dieses Ereignis wurde corpseitig zünftig gefeiert. Das St. Georg Corps hat sich zwar gemausert, erlebte aber zweifellos in den folgenden Jahren noch die Zeit des „Lernens“. Aber auch weitere St. Georg Corps-Mitglieder konnten sich als Kronprinzen der Lintorfer Bruderschaft auszeichnen: So Siegfried Jussen im Jahr 1970, Helmut Schmuck 1971, Peter Braun 1980, Ralf Hinkeldeyn 1999 und letztendlich Jens Jörgens.
Am 17. Juni 1972 veranstaltete das St. Georg Corps ein Fußballturnier zu Gunsten der „Aktion Sorgenkind“. Alle Kompanien und Corps der Lintorfer Bruderschaft nahmen an dieser Veranstaltung teil. Das Reitercorps fuhr mit einem Feuerwehr-Oldtimer durch den Ort und lockte somit Zuschauer an. Immerhin 500 Zuschauer bildeten eine schöne Kulisse; diese stolze Zahl an Zuschauern bei Meisterschaftsspielen würde den Kassierer und die Verantwortlichen von Rot-Weiß Lintorf bestimmt in Jubelstürme ausbrechen lassen. Die Einnahme in Höhe von 1500 DM wurde an die „Aktion Sorgenkind“ überwiesen. Veranstaltungen ähnlicher Art wurden in den späteren Jahren wiederholt.
Im Jahr 1973 feierte das St. Georg Corps sein 10-jähriges Bestehen im Saal von „Haus Anna“. Mit 400 erschienenen Gästen war die Veranstaltung bestens besucht. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Herbert Hirsch wurde ein ansprechendes und recht unterhaltsames Programm geboten. Alle auftretenden Künstler boten an diesem Abend ihr „Bestes“. Inzwischen war das St. Georg Corps auf 23 Mitglieder angewachsen, und aus den ehemaligen Jungschützen von 1963 waren gestandene Schützenbrüder geworden, die sich für die Bruderschaft einsetzten und sich durch gute Kameradschaft, echten Schützengeist und die Pflege des heimatlichen Brauchtums auszeichneten.
Ein eigenes Clubhaus zu haben, diese Idee war schon länger in den Köpfen der Mitglieder des St. Georg Corps. Nachdem die Formalitäten über eine Anmietung mit der Bundesbahndirektion getätigt waren, begannen am 27. Dezember 1982 die Instandsetzungsarbeiten. Alle Corpsmitglieder waren mit Eifer bei der Sache und fanden in ihren Frauen, oder Freundinnen verständnisvolle Partnerinnen. Ende Februar 1983 waren die Dachstuhlarbeiten schon fast beendet und im April feierte man das Richtfest. Ende September 1983 war es endlich so weit, das St. Georg Clubheim war fertiggestellt und aus einer Ruine war ein schmuckes Clubheim geworden. Die Errichtung dieses eigenen Clubheimes war eine bemerkenswerte Leistung aller Mitglieder des St. Georg Corps. Hatte man doch aus einem alten, verfallenen Waschhaus der Bundesbahnbediensteten in Eigenarbeit und unter großen finanziellen Mitteln und vielen tausend Stunden harter Arbeit ein schmuckes Heim geschaffen. Nicht nur dem Mut dieses Unternehmens, sondern auch der Durchhaltekraft verbunden mit größtem Arbeitseinsatz eines jeden Einzelnen gebührt Lob und besondere Anerkennung! Am 15. Oktober 1983 fand die offizielle Einweihung statt. Schützenchef Hans Lumer wünschte in seiner Rede dem St. Georg Corps Glück und Segen für das Haus und überreichte als bleibende Erinnerung einen Zinnteller der Bruderschaft.
Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres 1988 war das anstehende Schützen- und Volksfest der Lintorfer Bruderschaft. Mit dem Schützenfestsamstag war der Tag für das St. Georg Corps gekommen, wo die neue Standarte erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Im Gottesdienst in der St. Anna-Kirche wurde die Standarte feierlich geweiht. Die offizielle Jubiläumsfeier fand im September statt. Begonnen wurde mit einem Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche. Dem folgte die Jubiläumsveranstaltung im Pfarrsaal St. Johannes. Festredner des Abends war Schützenchef Hans Lumer. In seinem Vortrag ließ er 25 Jahre bewegter St. Georg Corps-Geschichte Revue passieren. Der Ablauf des weiteren Abends galt ausschließlich der Unterhaltung und dem Tanzen. Eine tolle Band bot beste Unterhaltung.
Einen Höhepunkt im Vereinsleben des St. Georg Corps brachte das Jahr 1993. Beim Schützenfest konnte erstmals ein Schützenbruder des St. Georg Corps die Königswürde erringen, der glückliche Schütze war Ewald Butenberg. Großen Jubel erlebte man im Kreise der St. Georg Corpsfamilie. Bereits im Jahr 1995 wiederholte Alfred Jansen mit einem großartigen Schuß diesen Erfolg und sicherte sich ebenfalls die Würde des Lintorfer Bruderschaftskönigs. Nachdem man aus dem Königsjahr 1993/94 Erfahrung gesammelt hatte, waren die für das St. Georg Corps anfallenden Arbeiten schon zur Routine geworden. Alles klappte bestens, so dass man schon ulkte und den Mitgliedern sagte, am besten stellt ihr in den nächsten Jahren weiterhin den Bruderschaftskönig.
Vielleicht hat das eine oder andere Mitglied des St. Georg Corps die ausgesprochenen Worte für bare Münze genommen, denn bereits im Jahr 1998 wurde mit Heribert Rotermund wieder ein St. Georgianer Lintorfer Bruderschaftskönig. Als Königin stand ihm seine Frau Doris als Regentin zur Seite. Beide erlebten ein wunderschönes Königsjahr. Von kurzer aber schwerer Krankheit gezeichnet verstarb Heribert Rotermund bereits am 5. Februar 2000 für die meisten völlig unerwartet.
Zum Titularfest 1998 ging eine Ära zu Ende, Herbert Hirsch, seit dem Jahr 1966 1. Vorsitzender des St. Georg Corps, trat von seiner Position zurück, da er bruderschaftsseitig für höhere Aufgaben benötigt wurde. Ihm wurde angetragen, nach dem Ausscheiden des langjährigen 1. Brudermeisters Josef Fink dieses Amt zu übernehmen. Er stellte sich zum Titularfest der Wahl und wurde einstimmig zum neuen 1. Brudermeister gewählt.
Am Freitag, dem 10. Januar 2003 fand die Jahreshauptversammlung des St. Georg Corps statt. Im Rahmen der Neuwahlen wurde eine fast komplett neue Vorstandsmannschaft gewählt. Als neuer 1. Vorsitzender wurde Wilfried Kröll nominiert, der mit seiner Vorstandsmannschaft die Geschicke des St. Georg Corps lenken wird!
Am Sonntag, dem 5. Oktober fand die große Geburtstagsfeier anläßlich des 40-jährigen Jubiläums mit einer Matinee auf dem Clubgelände im extra errichteten Festzelt statt. Dieser Tag wurde groß und stilvoll gefeiert, nichts fehlte! Festredner war an diesem Tage unser Bundesschützenmeister Hermann Macher, der einen bemerkenswerten Vortrag bot. Schützenchef Karl Heinz Kipp gratulierte im Namen der Lintorfer Bruderschaft und wünschte dem Jubiläums-Corps eine erfolgreiche Zukunft. Dank und Anerkennung sprach er allen Vorstandsmitgliedern und dies in besonderem Maße den jeweiligen 1. Vorsitzenden der letzten 40 Jahre aus. Abschließend wünschte er dem St. Georg Corps alles erdenklich Gute, beste Kameradschaft und Harmonie sowie Gesundheit und Gottes Segen für die gesamte Corpsfamilie!